Primäre und sekundäre Psychophatie unterschiede?

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Die Unterscheidung zwischen primärer und sekundärer Psychopathie geht auf Karpman zurück und hat nichts mit "angeboren" oder "sozialisiert" zu tun, sondern bezieht sich auf grundlegende Psychopathiemerkmale.

Primäre Psychopathen sind gewissenlos und berechnend und planen ihr Handeln zielgerichtet und bewusst gesteuert. Sekundäre Psychopathen hingegen sind zu emotionalen Regungen fähig, zeigen ab und zu ein Gewissen, neigen eher zu impulsivem Verhalten - ihre Handlungen sind chaotischer und emotional begründet.

Psychopathie als Diagnose gibt es nicht.

Aber was wahrscheinlich gemeint ist, ist primär: angeboren kein Moralverständnis und Mitgefühl, führt idr zur Ausbildung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung. Das ist, was man ugs. "Psychopath" nennt.

Sekundär: durch Umweltbedingungen ausgelöster/verstärkter Mangel an Moralverständnis und Mitgefühl (oder nie erlernt oder wieder verlernt, zb. Oft bei Kindern von Sadisten). Das nennt man ugs auch "Soziopathie", da die "Störung" wesentlich durch das soziale Umfeld verursacht bzw erlernt wurde. Auch hier kann es zur Ausbildung einer antisozialen Persönlichkeitsstörung kommen.

Ich denke mal, dass die sekundäre Form daher kommt, dass Menschen so viel Schlimmer erlebt haben, dass sie als Selbstschutz weniger Empathie empfinden mit der Zeit.

Zu beobachten bei Menschen, die lange Zeit in Krieg und Krisen gelebt haben...

...ist aber nur ne Vermutung! ;-)

Hallo Mylitta,

So einfach ist das nicht.

Also vorneweg. Seanna hat Recht, es gibt im DSM und in der ICD keine diagnose Psychopathe. Aber: Es gibt verschiedene Persönlichkeitsstörungen, die jede einzeln sowohl in der ICD-10 als auch in der DSM-5 gelistet sind. Und es gibt eine Checkliste nach Hare, mit deren Hilfe speziell ausgebildete Psychologen und Psychiater ab einer Mindestpunktzahl von 75 % der erreichbaren Punktzahl eine Psychopathie festastellen können. Die Erklärung ist einfach: Es gibt 10 verschiedene Persönlichkeitsstörungen, die in sogenannte Cluster gruppiert sind. Es wurde festgestellt, dass bei einer psychopathischen Persönlichkeit mehrere Persönlichkeitsstörungen aus dem Cluster B diagnostiziert werden können.
Weiter ist Richtig ist, Es gibt gewisse Merkmale in der Persönlichkeit, die sich in einem Hirnscan im CT erkennen lassen, die bei den bisher untersuchten Psychopathen vorkommen. Auch hier wieder ein Aber: Es gibt Menschen, die diese messbaren Merkmale haben, aber keine Psychopathie entwickeln, wie z.B. James Fallon

( siehe hier https://goo.gl/JlAHtA)

Es gibt einige Psychologen und Psychiater (Lies einfach einmal ein paar Bücher von Lydia Bennecke oder schau Dir ein paar Videos im Internet von ihr an, das genau ist ihr Lebensthema), die sich in letzter Zeit verstärkt mit dem Thema auseinandersetzen. Dabei scheint sich aber immer mehr das zu bestätigen, was eigentlich schon Freud bei der Begründung der Psychoanalyse festgestellt hat: Wenn sich Persönlichkeitsstörungen in der Art entwickeln, dass diese Menschen im Umgang mit anderen Menschen unverträglich und schwierig werden, dann gibt es immer einen Auslöser in der Kindheit dieser Menschen, in der Regel ist die Bindung, bzw die Beziehung zu den Eltern schlecht gewesen. Das zeigt auch das Beispiel von James Fallon, in dessen Stammbaum einige Serienmörder auftauchen, er selbst aber nach einer überglücklichen behüteten Kindheit zwar diese Gehirnveränderungen aufweist, sich riskant verhält und auch seine eigenen Kinder gefährdet, aber eben sozial ein durchaus verträgliches und angesehenes Leben führt.

LG